Das heilige Wasser - Eine Sage aus Igls

Man zählte das Jahr 1606 nach Christus, als zwei Hirtenknaben am nördlichen Abhang des Patscherkofels ihre Kühe weideten und plötzlich entdeckten, dass sechs Stück an der Zahl verloren waren. Ungeachtet allen Suchens wurden die beiden Knaben nicht mehr fündig. Bekümmert begannen sie in ihrer großen Not zur heiligen Maria um ihre Hilfe zu beten. In überirdischem Himmelsglanz erschien ihnen diese und deutete mit ihrer Rechten auf einen hohen Gebirgspunkt.

Als die Knaben in die Richtung blickten, waren die verlorenen Kühe im hellen Licht der Abendsonne zu sehen. Voller Gluck und Gnade fielen die beiden Jünglinge auf ihre Knie nieder und dankten Maria. Als sie sich von ihrem Staunen erholt hatten, war die himmlische Erscheinung jedoch verschwunden. Beide versicherten, deutlich die Worte vernommen zu haben: "Hier bauet mir zu Ehren eine Kapelle!" und sie fanden an dieser geheiligten Gebirgsstelle eine ungewöhnlich frische Quelle, die früher nicht da war.

Die Knaben kehrten mit den Kühen zurück ins Dorf, taten aber von allem, was sie gesehen und gehört, viele Jahre nichts kund. Indessen fand sich der eine von ihnen, der die gehabte Erscheinung im Igelser Walde nie vergessen konnte, öfter an jene Stätte und nahm einmal auch das fünfjährige Knäblein seines Nachbars, welches von Geburt an stumm war, mit sich.

Am Gnadenorte ereignete sich fortan ein neues Wunder: Das Knäblein konnte reden, als hätte ihm die Sprache nie gefehlt, und er verkündete das Geschehene und die frühere Erscheinung. Er fand Glauben, und noch in demselben Jahr entstand durch die Hand frommer Gemeindsleute bei dem heiligen Wasser eine Kapelle und eine Wallfahrt.



Quelle: www.sagen.at

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